Foto: Jennifer Räpple

Volles Haus im Congress Centrum: Zum Landesseniorentag hatten sich 1300 Besucher in Heidenheim versammelt.

Auch wenn die tatsächliche Situation älterer Menschen beileibe nicht immer problembehaftet ist und nicht von Haus aus von Gebrechlichkeit geprägt ist, so war das inhaltliche Geschehen dieses im Congress Centrum anberaumten Senioren-Gipfels doch stark von Themen geprägt, die rund um die Pflege kreisen. So mahnte Roland Sing als Vorsitzender des Landesseniorenrates ein nachhaltiges Finanzkonzept für die Pflegeversicherung an und forderte, ausreichend Mittel für Leistungen der Pflegeversicherung, für die Unterstützung pflegender Angehöriger und für die Pflegekräfte zur Verfügung zu stellen.

Die von der Bundesregierung vorgesehene Finanzierung erachtet Sing als völlig unzureichend. Da Pflege eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sei, müssten auch Steuermittel für eine umfassende Pflegestruktur eingesetzt werden, so der Vorsitzende des Interessenverbandes, der sich in seinem Redebeitrag überdies für die Bestellung eines bis heute in Baden-Württemberg fehlenden Pflegebeauftragten aussprach.

In Vertretung der auf dem Heidenheimer Programm stehenden, aber gestern in Stuttgart gebundenen Sozialministerin Katrin Altpeter kündigte deren Amtschef Jürgen Lämmle gestern einen Perspektivwechsel in der Seniorenpolitik des Landes an. Diese finde seinen Ausdruck im neuen Heimrecht, das eine Vielfalt unterschiedlichster Versorgungsangebote – von der eigenen Häuslichkeit bis zur stationären Einrichtung – eröffne. Im Kontext der Neuausrichtung der Seniorenpolitik ist auch der von dem Ministerialdirektor angesprochene „Kompass Seniorenpolitik“ zu sehen – ein Maßnahmenpaket, mit dem die Voraussetzungen dafür geschaffen werden sollen, dass sich ältere Menschen aktiv fürs Gemeinwesen einbringen können.

So soll in diesem Rahmen beispielsweise darüber diskutiert werden, wie Menschen im Alter mobil bleiben können, wie ihr Wohnumfeld altersgrecht gestaltet werden kann und wie finanzielle Notlagen im dritten Lebenabschnitt verhindert werden können. In diesem Zusammenhang schrieb der Vertreter des Landes – unter Beifallsbekundungen des Publikums – auch dem Mindestlohn eine seniorenpolitische Dimension zu, denn: „Niedrige Löhne von heute sind die Altersarmut von morgen“.

Lämmles an die versammelte Seniorenschaft gerichtete Appell, sich für ihre Altersgenossen zu engagieren, ist gerade in Heidenheim bereits auf fruchtbaren Boden gefallen. Dieses Bild vermittelte gestern eine im CC von dem Fernsehjournalisten Jo Frühwirth moderierte Talkrunde, in der prominente Lokalmatadoren auf die Bedeutung örtlicher Teilhabe-Konzepte und Angebote eingingen.

Bernhard Ilg zeigte sich als Oberbürgermeister einer bewusst generationenübergreifend agierenden Stadt in der Rolle des Verfechters einer aktiven Seniorenpolitik. Man wisse, dass etwa Vereins- und Kirchenarbeit nur funktioniere, wenn sich Senioren ehrenamtlich einbringen, so der Rathaus-Chef, der davon auszugehen hat, dass in Heidenheim immerhin schon ein Fünftel der Bevölkerung über 65 Jahre alt ist – und der dies zu gewichten weiß: „Wer die Senioren unterschätzt, macht einen Fehler.“

Auf den demographischen Wandel hat man sich auch auf Kreisebene eingestellt, wo man laut Landrat Thomas Reinhardt „schwer unterwegs ist, was unsere Senioren angeht“. Er wies auf sehr engagierte Orts- und Stadtseniorenräte sowie auf sich mehrende Selbsthilfegruppen von Senioren und ein aus 140 Senioren-Angeboten bestehendes Fitnessprogramm von Vereinen hin. Erklärtes Anliegen Reinhardts ist es, dass sich die Senioren auf Kreisebene organisieren, was bis jetzt noch nicht ganz flächendeckend geschehen ist.

Diese noch bestehenden Lücken zu füllen, ist auch das Ziel des Kreisseniorenrates Heidenheim, der gestern in der Person seiner Vorsitzenden Rosmarie Helbig mit ins Rampenlicht gerückt worden ist. Das Heidenheimer Pendant, der Stadtseniorenrat, steht nach Angaben von Wilhelm Gebler kurz vor einer erneuten Zertifizierungsrunde generationenkompetenter Geschäfte und will in Zukunft auch Gaststätten ansprechen, sich mit altersgerechten Portionen als „seniorengerecht“ zu empfehlen.

Bilderga von der Vorbesprechung:

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Am Tag davor:

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Die Ankunft

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Der Tag

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Drumherum

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Dischingen Gerstetten Giengen an der Brenz Heidenheim Herbrechtingen Hermaringen
Königsbronn Nattheim Niederstotzingen Sontheim an der Brenz Steinheim am albuch Kreisseniorenrat Heidenheim e.V.

 

Das Leben im Alter unterscheidet sich in vielen Facetten von den in der Zeit des Anfangs oder der Mitte des Lebens. Der Zeitpunkt der Berentung als Beginn des Ruhestandes ist einer der spürbaren Einschnitte im Lebensablauf. Im Gegensatz zur Zeit unserer Großeltern hat sich die Lebenserwartung verlängert und es beginnt ein neuer Lebensabschnitt mit neuen Aufgaben und Herausforderungen in Familie und Gesellschaft.

Das Leben im Alter orientiert sich nach anderen Gesetzmäßigkeiten als vorher. Neue Fragen stellen sich. Wie organisiere ich mein Leben im Alter? Wie kann ich eine möglichst lange Selbstständigkeit angesichts abnehmender Kräfte realisieren? Wer bietet mir Hilfe und Unterstützung an, wenn ich sie benötige? Wo finde ich Anschluss, wenn ich alleine bin und der Gefahr der Vereinsamung begegnen möchte?

Vor 25 Jahren wurde in Heidenheim der Kreisseniorenrat gegründet, der sich mit diesen Fragen auseinander setzt, und ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige Zwecke unterstützt. In Folge bildeten sich in der Mehrheit der Städte und Gemeinden im Landkreis Stadt- und Ortsseniorenräte, die gemeinsam im Kreisseniorenrat oder in eigener Souveränität diese Herausforderungen aufnehmen. In diesen Räten arbeiten Organisationen, Einrichtungen und kommunale Träger an der Lösung dieser Probleme mit. Das hier vorliegende Heft bietet einen umfassenden Überblick über alle Aktivitäten, die Sie im Alter begleiten.